Wilhelm Lewicki

Am 10. Oktober 2001 verstarb in Ludwigshafen Wilhelm Lewicki, international bekannt als engagierter Förderer der Wissenschaftsgeschichte, nach zweijährigem Kampf gegen eine schwere Krankheit im Alter von 66 Jahren.

Wilhelm Lewicki wurde in Erfurt am 21. September 1935 geboren. Er war ein Urururenkel von Justus von Liebig aus der Familie von Liebigs Tochter Johanna und dem Chirurgen Carl Thiersch.

Lewicki besuchte die Schule in Leipzig, Neustadt a.d. Weinstraße und Saarbrücken, wo er 1955 das Abitur erhielt. Er studierte dann an der Universität Saarbrücken Soziologie, romanische Sprachen und Englisch und an der Hamburger Universität Betriebswirtschaft und Volkswirtschaft.

1960 nahm er eine Tätigkeit im Chemikalien- und Rohstoffeinkauf bei der Ludwigshafener Firma Johann A. Benckiser auf.

Seit 1969 arbeitete er als Gründer, Prokurist und alleingesellschaftender Geschäftsführer der B.V. Prohama und Epandage-Vinasse-Ausbringungs-GmbH. (E.V.A.). Letztere ist spezialisiert auf die Entwicklung und Vermarktung von Vinasse, einem aus Melasse entwickelten Produkt, das als organischer Nährstoff für Bodenmikroorganismen und Pflanzen dient.

Wilhelm Lewicki war im Vorstand vieler deutscher und internationaler Warenbörsen für landwirtschaftliche Produkte tätig. Im Jahre 2000 wirkte er als Präsident der Grain and Feed Trade Association GAFTA in London.

Seine Tätigkeit auf dem Gebiet der Agrarprodukte veranlaßte Wilhelm Lewicki sich eingehender mit den Arbeiten seines Vorfahren Justus von Liebig zur Agrikulturchemie zu beschäftigen.

Er sammelte Liebigs Bücher und begann die Herausgabe preiswerter Reprints, um Liebigs Bücher zugänglich zu machen. 1996 stellte er der Öffentlichkeit seine Internationale Präsenz-Bibliothek zur Geschichte der Naturwissenschaften vor.
Im Jahre 2000 wurde eine Buchreihe begründet, die der Publikation wissenschaftshistorischer Arbeiten gewidmet ist (Edition Lewicki-Büttner). Ein erster Band behandelt die Geschichte des tierischen Stoffwechsels. Viele Jahre wirkte Wilhelm Lewicki im Vorstand der Justus-Liebig-Gesellschaft und unterstützte die Arbeiten zum Erhalt und der Restauration des berühmten Liebig-Laboratoriums in Gießen. Um Forschungen zur Geschichte der Chemie zu fördern, stiftete er den Liebig-Wöhler-Freundschaftspreis, der jährlich von der Göttinger Chemischen Gesellschaft - Museum der Chemie verliehen wird.

1997 veranlaßte er die Einrichtung der jährlichen Baron von Liebig Memorial Lecture, die von Oxoid Limited gesponsert und von der Medical Sciences Historical Society in London ausgerichtet wird. Ein großer Erfolg wurde die Liebig-Wanderausstellung "Alles ist Chemie", die Wilhelm Lewicki 1998 schuf. Die Ausstellung wurde bereits an vielen Orten Europas gezeigt und stellt Leben und Werk Liebigs dar. Wilhelm Lewicki pflegte auch weltweite, intensive Kontakte zu Museen und Fachgesellschaften für die Geschichte der Chemie.

"Alles ohne Lärm, denn das was wächst
macht keinen Lärm."

Dieser Ausspruch Justus von Liebigs könnte auch der Wahlspruch von Wilhelm Lewicki gewesen sein - Verantwortung, Wahrung und Förderung des Gedenkens Justus von Liebigs. Auch er machte keinen Lärm, aber wer mit ihm in Verbindung kam, wurde von dem Geist Liebigs berührt. Er wuchs bis zuletzt in seiner Liebig-Forschung und gab Anregungen, Erkenntnisse und Zeugnis von dem "Urururgroßvater", den Freunden und Nachkommen Liebigs in überzeugender und eindringlicher Form weiter.

1997 wurde Wilhelm Lewicki das Bundesverdienstkreuz am Bande für seine besonderen Verdienste um die Agrikultur und seine vielfältigen kulturellen Aktivitäten verliehen.

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